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Sprechstunden siehe CAMPUS.

Inhalt

Theoriegeleitete Praxisstudien - Orientierungspraktikum und forschendes Lernen

Schüler_400.jpg Link-Arbeitsbereiche.jpg Im Prozess der Reformierung der Lehramtsausbildung in NRW haben wissenschaftlich begründete theoriegeleitete Praxisstudien als Ausbildungselemente der ersten Phase in den vergangenen Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Mit der Lehramtsprüfungsordnung (LPO) aus dem Jahr 2003 wurde im Vergleich zu den bis dahin geltenden Regelungen der Anteil der schulischen Praxisaufenthalte erhöht und ein konsequent integratives Verständnis von Praxisaufenthalten und begleitenden Lehrveranstaltungen auf den Weg gebracht. Dieser Prozess setzt sich im LABG 2009 mit einer weiteren Ausweitung der Praxisphasen, u.a. in Form eines Praxissemesters, und einer systematischen fachdidaktischen und erziehungs- bzw. bildungswissenschaftlichen Begleitung fort. Parallel dazu wird die Zusammenarbeit mit den Zentren für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) bereits in der ersten Phase der Lehramtsausbildung als Kooperationspartner der Hochschulen institutionalisiert. Theoriegeleitete Praxisstudien bleiben damit nicht mehr im Binnenbereich der Hochschule, sondern werden zum Gegenstand von Verständigungs- und Abstimmungsprozessen mit weiteren an der Lehramtsausbildung beteiligten Institutionen.

In der LPO 2003, die (auslaufend) noch bis 2017 von Bedeutung bleiben wird, sind theoriegeleitete Praxisstudien wie folgt verankert: Im Lehramtsstudium sind Praxisaufenthalte von mindestens 14 Wochen zu absolvieren, die mit begleitenden Lehrveranstaltungen im Umfang von 12 SWS verknüpft werden sollen. Die Umsetzung dieser Vorgaben erfolgt in Form von standortspezifischen Konkretisierungen.

An der RWTH Aachen hat das LBZ im Juli 2003 einen Vorschlag zur standortspezifischen Gestaltung der Praxisstudien vorgelegt. Auf der Grundlage dieses Konzeptes wurde neben dem vierwöchigen Orientierenden Schulpraktikum im Grundstudium Erziehungswissenschaft und einem dazu gehörigen Vorbereitungsseminar im Umfang von 2 SWS ein disziplinübergreifendes Modul „Praxisstudien“ in allen Studienordnungen der an der Lehramtsausbildung beteiligten Disziplinen verankert. Das Modul „Praxisstudien“ wird im Hauptstudium studiert, es umfasst Lehrveranstaltungen aus zwei Fachdidaktiken und der Erziehungswissenschaft mit einem Gesamtumfang von 10 SWS und ist mit Praxisaufenthalten von insgesamt 8 Wochen verbunden.

Vom Lehrerbildungszentrum der RWTH Aachen werden die Vorbereitungsseminare zum Orientierenden Schulpraktikum angeboten und die erziehungswissenschaftlichen Lehrveranstaltungen des Moduls „Praxisstudien“, die Aufgabenstellungen für schulische Erkundungen vorbereiten (Beobachten im Schulalltag; Anleitung zum forschenden Lernen).

Didaktischer Leitbegriff hierbei ist der Begriff des forschenden Lernens. Dieser wurde in einer Erprobungsphase zur Intensivierung der Praxisphasen in der Lehramtsausbildung in NRW am Aachener Lehrerbildungszentrum im Rahmen eines vom Schulministerium initiierten dreijährigen Modellversuchs (Okt. 1999 – Sept. 2002) zum Thema „Schulpraktisch orientierte Studienelemente in der universitären Lehrerbildung unter dem Leitgedanken des forschenden Lernens“ entwickelt.

In diesem Zusammenhang wurde forschendes Lernen als ein Prozess definiert, „der darauf abzielt, den Erwerb von Erfahrungen im Handlungsfeld Schule in einer zunehmend auf Wissenschaftlichkeit ausgerichteten Haltung theoriegeleitet und selbstreflexiv unter gleichzeitiger Beachtung des Respekts vor der nicht zu verdinglichenden Persönlichkeit des Kindes bzw. Jugendlichen sowie der Lehrenden zu ermöglichen.“

Sowohl im Rahmen des Modellversuchs als auch im Kontext der Umsetzung der LPO 2003 wurden die folgenden fünf Gesichtspunkte als zentral für das Verständnis forschenden Lernens herausgearbeitet:

  1. Forschendes Lernen erfordert den Aufbau einer als  „wissenschaftsorientiert“ zu bezeichnenden „Haltung“, deren Kern  - neben der „Bereitschaft, sich für noch Unbekanntes zu öffnen“  - in dem „Interesse an einem methodisch kontrollierten Erkenntniserwerb sowie an einer systematischen Verarbeitung der gewonnenen Erkenntnisse“ besteht.
  2. Forschendes Lernen lässt sich „mit unterschiedlich hohen Anspruchsniveaus“ verknüpfen, die sukzessiv aufeinander aufbauen.
  3. Forschendes Lernen ist zu verstehen als ein „theoriegeleitetes Lernen, das ein differenziertes Verständnis des Verhältnisses zwischen Theorie und Praxis bewirken soll“. Unter dem Gesichtspunkt theoriegeleiteten Verstehens liegt eine zentrale Möglichkeit  für das „Zusammenwirken von Theorie und Praxis“ darin, Theorien als Hilfsmittel für den Gewinn „neuer Sichtweisen auf Phänomene der Schul- und Unterrichtswirklichkeit“ zu nutzen, „die einen potentiell erweiterten Handlungsspielraum eröffnen“.
  4. Forschendes Lernen kann  sich „unter berufsbiographischen Gesichtspunkten als persönlich bedeutungsvolles Lernen erweisen“, sofern „der Gewinn neuer Erkenntnisse und der reflexive Rückbezug auf das eigene Selbst“  - wenn auch nicht immer spannungsfrei  - gelingt.
  5. Forschendes Lernen erfolgt „in direktem Kontakt mit Lernenden und Lehrenden“.  Dies impliziert, dass es „mit ethischen Leitlinien“ verbunden werden muss, die die „Wahrung der persönlichen Integrität aller Beteiligten garantieren“.

(Vgl. Boelhauve, Ursula (2005): Forschendes Lernen. Perspektiven für erziehungswissenschaftliche Praxisstudien. In: Hilligus, Annegret Helen/ Rinkens, Hans-Dieter (Hg.): Zentren für Lehrerbildung. Neue Wege im Bereich der Praxisphasen. Münster: Lit, S. 103-126, dort S. 105-107.

Mit diesem Verständnis des forschenden Lernens als eine für Weiterentwicklung offene Arbeitsdefinition wird das Lehrerbildungszentrum auch zukünftig im Rahmen der Umsetzung des LABG 2009 theoriegeleitete Praxisstudien gestalten. Ab dem Wintersemester 2011/2012 wird im Bildungswissenschaftlichen Studium des lehramtsbezogenen Bachelorstudiengangs weiterhin ein orientierendes Schulpraktikum (Verlinkung auf OSP im Bachelor) vom Lehrerbildungszentrum als Propädeutik forschenden Lernens durchgeführt. Zudem wird forschendes Lernen bei der zukünftigen Gestaltung des Praxissemesters, u.a. in Form von curricularen Mitgestaltungen, eine wichtige Rolle spielen.

 



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