Aachener Abendgespräche zur schulischen Inklusion

 

Alle Vorträge finden über ‚Zoom‘ statt. Die Veranstaltungen werden aufgezeichnet. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Die Aachener Abendgespräche zur schulischen Inklusion sind inzwischen ein fest etabliertes Format, das neben spannenden Vorträgen auch die Möglichkeit des Austauschs und der Diskussion bietet. Dabei werden sowohl Themen im Bereich des engen als auch des weiten Inklusionsbegriffes aufgegriffen. Im Sommersemester 2021 liegt der Schwerpunkt im Bereich der kognitiven Beeinträchtigungen.

Dienstag, 20.04.2021, 18.30 Uhr

All means all – ‚Schwere Mehrfachbehinderung‘ und Inklusion in der Schule

Prof. Dr. Andreas Hinz (Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg)

Der Vortrag geht auf das Spannungsverhältnis zwischen den normativen inklusiven Ansprüchen, die in den Menschenrechten begründet sind, einerseits, und den pragmatischen gesellschaftlichen Barrieren für entsprechende Praktiken unter den Bedingungen landesweiter Regelungen zur schulischen Inklusion andererseits ein. Dabei beleuchtet er auch die Erfahrungen, die in der Phase der integrativen Modellversuche der 1970er bis 1990er Jahre gesammelt wurden. Abschließend werden notwendige Bedingungen für die Einlösung der menschenrechtsbasierten Ansprüche formuliert.

Andreas Hinz war von 1999 bis 2017 Professor für Allgemeine Rehabilitations- und Integrationspädagogik an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, davor 16 Jahre lang Mitglied wissenschaftlicher Begleitungen von Integrationsversuchen in Hamburger Grundschulen und in den 1970er Jahren Zivildienstleistender in einer Gruppe für schwer-mehrfachbehinderte Kinder. Er ist einer derjenigen, die langjährig Integration und später Inklusion auch mit Blick darauf begleitet haben, dass sie tatsächlich alle einschließen.

Anmeldung zu diesem Vortrag möglichst bis Montag, 19. April, 12 h.

 

Dienstag, 04.05.2021, 18.30 Uhr

Inklusion von Schüler*innen mit Beeinträchtigungen im schulischen Lernen - eine Herausforderung insbesondere während des Lockdown

Prof. Dr. Birgit Lütje-Klose, Dr. Sabine Geist und Dr. Janka Goldan (Universität und Laborschule Bielefeld)

Schüler*innen mit Beeinträchtigungen im schulischen Lernen machen den mit Abstand größten Anteil aller inklusiv geförderten Kinder und Jugendlichen mit einem sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf aus. Ein erheblicher Anteil dieser Schülerschaft wächst unter sozial und ökonomisch benachteiligenden Lebensbedingungen auf. Typische Problemlagen sind vor allem in den Bereichen der Handlungsplanung und Arbeitsorganisation, des Vorwissens und Gedächtnisses sowie in der Entwicklung von (schrift-)sprachlichen und mathematischen Basiskompetenzen zu finden. Im Vortrag werden Entwicklungsbedingungen, Herausforderungen und Möglichkeiten der Förderung bei Beeinträchtigungen des schulischen Lernens thematisiert. Konkret wird zudem auf Erfahrungen mit der inklusiven Förderung während der Corona-Pandemie an der Laborschule Bielefeld und Ergebnisse einer dort durchgeführten Studie zu Wohlbefinden und Inklusion eingegangen.

Dr. Sabine Geist ist Lehrerin und didaktische Leiterin der Laborschule Bielefeld, der Versuchsschule des Landes Nordrhein-Westfalen und einer der ersten inklusiven Schulen im Land. Sie hat sich die beständige inklusive Schulentwicklung zur Aufgabe gemacht und arbeitet seit vielen Jahren in einem Forschungs- und Entwicklungsprojekt zum Thema Wohlbefinden und Inklusion an der Laborschule (WILS) mit.

Dr. Janka Goldan ist Sonderpädagogin und akademische Rätin an der Universität Bielefeld im Studiengang der integrierten Sonderpädagogik. Ihre Lehr- und Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich der Analyse schulstatistischer Daten in Bezug auf die Umsetzung schulischer Inklusion sowie der strukturellen Benachteiligung von Schüler*innen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf im Bereich Lernen.

Prof. Dr. Birgit Lütje-Klose ist Sonderpädagogin und Professorin für schulische Inklusion und sonderpädagogische Professionalität an der Universität Bielefeld. Sie bildet zukünftige Lehrkräfte aus und forscht u.a. im Projekt WILS gemeinsam mit ihren Kolleg*innen zu der Frage, unter welchen Bedingungen sich Schüler*innen mit und ohne sonderpädagogische Unterstützungsbedarfe gut entwickeln.

Anmeldung zu diesem Vortrag möglichst bis Montag, 3. Mai, 12 h.

 

Dienstag, 15.06.2021, 18.30 Uhr

Digitales Musizieren von Jugendlichen mit komplexen Behinderungen – Potentiale und Herausforderungen für inklusionsorientierten Musikunterricht

Prof. Dr. Imke Niediek (Leibniz Universität Hannover)

Der Vortrag nimmt seinen Ausgangspunkt in der These, dass Digitalisierung Potenziale für mehr Teilhabe an Kultureller Bildung für Menschen mit schweren Behinderungen birgt. Allerdings sind diese im Bereich inklusiver Musikpädagogik bislang wenig genutzt und kaum erforscht. Im Forschungsprojekt be_smart (Bedeutung spezifischer Musik-Apps für die Teilhabe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit komplexen Behinderungen an Kultureller Bildung) wird deshalb einerseits das subjektive Erleben von Jugendlichen mit schweren Behinderungen im Umgang mit digitalen Musiziermedien untersucht sowie andererseits die Herausforderungen und Potenziale, die Musikpädagog*innen in digitalen Musikinstrumenten für ihre Arbeit sehen, erforscht. Der Vortrag bietet einen Einblick in ein laufendes Projekt empirischer Bildungsforschung, in zentrale Fragestellungen, methodische Herausforderungen und erste Erkenntnisse zu Barrieren und Herausforderungen des Einsatzes digitaler Musiziermedien in einem inklusionsorientierten Musikunterricht. Dabei wird deutlich, dass Musikunterricht nicht per se ein besonderes "Inklusionspotential" besitzt (auch nicht mit digitalen Musiziermedien), sondern Dilemmata inklusiver Bildung erneut reproduziert werden, die die Bildungsteilhabe der Jugendlichen behindern.

Imke Niediek ist Professorin für Pädagogik bei Beeinträchtigungen der geistigen Entwicklung an der Leibniz Universität in Hannover. Nach ihrem Studium der Sonderpädagogik an der Carl von Ossietzky Universität in Oldenburg promovierte sie 2010 an der Leibniz Universität Hannover. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Dispositive von Macht und Wissen im Kontext von Bildung und Behinderung, qualitative Forschung im Bereich komplexer Behinderung und unterstützte Kommunikation.

Anmeldung zu diesem Vortrag möglichst bis Montag, 14. Juni, 12 h.