Schul-Hochschul-Fachtag 2021

  Grafik zum Schul-Hochschul-Fachtag Urheberrecht: © Mathematikdidaktik RWTH Aachen

Am 6. Januar 2021 (schulfrei) findet der erste Aachener Schul-Hochschul-Fachtag statt. Dieser wird im Rahmen der gemeinsamen „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ von Bund und Ländern aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert. Die Organisation erfolgt durch das Lehr- und Forschungsgebiet Didaktik der Mathematik.

 

6. Januar 2021

Die Anmeldung zum Schul-Hochschul-Fachtag ist ab sofort geöffnet!

In mehrstündigen Working Sessions arbeiten Lehrkräfte, Didaktikerinnen und Didaktiker sowie Studierende intensiv an jeweils einem spezifischen Thema. Neben vorbereiteten Inputs wird es praktische Arbeitsphasen und Austauschmöglichkeiten geben.

Die Schwerpunkte der einzelnen Angebote sind ganz unterschiedlicher Natur: In einigen Working Sessions werden konkrete Unterrichtsmaterialien erprobt, diskutiert oder entwickelt. In anderen Working Sessions werden (außerunterrichtliche) Schulprojekte vorgestellt oder gemeinsam neu konzipiert.

Die einzelnen Angebote finden dezentral statt. Ob die jeweilige Working Session online oder in Präsenz an der RWTH Aachen stattfindet, werden wir zum Anmeldestart bekannt geben. Da die Plätze begrenzt sind, empfehlen wir eine frühzeitige Anmeldung.

 

Programm

A) Algebraische Strukturen: faszinierend und herausfordernd! Grundsatzfragen und Materialentwicklung für Projektkurse – Mathematik (Julia Kujat)

Eine Beschäftigung mit der strukturellen Seite der Mathematik, welche zu Begriffen der universitären Linearen Algebra führt, findet in der Schulmathematik kaum statt. Dabei kann gerade die Erfahrung eines Denkens in abstrakten algebraischen Strukturen aufbauend auf Begriffen wie Gruppe, Ring und Körper das Bild von Mathematik wesentlich erweitern und eine vorhandene Affinität sowie Begabung fördern oder gar erst offenlegen. Das Themenfeld bietet viele faszinierende Anknüpfungspunkte zur Schulmathematik quer durch die Jahrgangsstufen und eine frühe Auseinandersetzung kann einen Beitrag zu einem erfolgreichen MINT-Studium leisten.

Das Schul-Hochschul-Projekt iMPACt bildet im Sinne einer Wissenschaftspropädeutik eine Brücke zwischen der Schul- und Hochschulmathematik. Die aktuellen iMPACt-Materialien decken vor allem im Bereich der Analysis ein breites Spektrum ab. Ziel dieses Workshops ist es vorrangig mit Lehrkräften kooperierender Schulen herauszuarbeiten, inwiefern Inhalte der Linearen Algebra als ein weiterer Vertiefungs-Baustein die iMPACt-Materialien erweitern kann. Es werden erste Ansätze und Aufgabenbeispiele mit dem Schwerpunkt Algebraische Strukturen präsentiert und zur Diskussion gestellt. Der Workshop richtet sich vorwiegend an Lehrkräfte kooperierender Schulen. Andere interessierte Lehrer:innen sind ebenso herzlich eingeladen.

Veranstaltungszeitraum: 10:30 – 14:00 Uhr

B) Wegen dem Wetter oder wegen des Wetters? Sprachliche Zweifelsfälle als Lernchancen im Deutschunterricht – Deutsch (Dr. Katharina Böhnert-Bunnik, Dr. Ilka Lemke)

Heißt es korrekt trotz dem Fehler oder trotz des Fehlers? Darf/kann oder muss ich sogar nach Er erteilte ihm die Erlaubnis(,) erneut vorzusprechen. ein Komma setzen? In diesen und ähnlichen Fällen zweifeln Schülerinnen und Schüler – und manchmal auch Lehrkräfte an Schulen und Universitäten – , was denn nun die korrekte Sprachvariante ist. Dabei sind solche sprachlichen Zweifelsfälle kein Zeichen von Inkompetenz, sondern werden von Seiten der Sprachwissenschaft als Zeichen besonderer sprachlicher Aufmerksamkeit gesehen. Darüber hinaus bieten sie spannende Reflexionsanlässe, wie Sprache – grammatisch oder orthographisch – „funktioniert“.

In unserer Working Session möchten wir uns gemeinsam mit Ihnen auf die Spur ausgewählter Zweifelsfälle begeben. Zunächst sollen diese „geklärt“ werden (welche ist die korrekte Variante? Welche sprachliche Systematik steckt dahinter?), bevor wir anschließend gemeinsam Vorschläge (inkl. Materialien) entwickeln, wie sprachliche Zweifelsfälle für Schülerinnen und Schüler spannend in den Unterricht integriert werden können.

Veranstaltungszeitraum: 12:00 15:00 Uhr

C) Pflichtfach Informatik in Klasse 5/6 – was, warum und wie? – Informatik (Annabell Brocker)

Das Fach Informatik soll in NRW ab dem Schuljahr 2021/22 für die fünfte und sechste Klasse verpflichtend werden. Bisher gibt es dafür jedoch weder einen Lehrplan noch konkrete Unterrichtsmaterialien. In dieser Working Session sollen Ideen für Unterrichtsinhalte gesammelt werden und bestehende Materialien erkundet werden.

Beispielsweise möchten wir dabei folgende Fragen mit Ihnen gemeinsam beantworten:

  • Welche Informatikinhalte sind in der fünften und sechsten Klasse relevant?
  • Wie können diese Inhalte angemessen und interessant vermittelt werden? Wie können Alltagsbezüge und Kontexte gefunden werden?
  • Für welche Hard- und Software gibt es bereits Materialien? Gibt es Material „unplugged“, also ohne Nutzung technischer Geräte? Welche Materialien kennen Sie?
  • Wie können die gesammelten Materialien in die Themenbereiche eingeordnet werden?
  • Wie können die unterschiedlichen Vorerfahrungen der Schülerinnen und Schüler beachtet werden?

Das Ziel dieser Working Session ist eine Übersicht zu relevanten Themengebieten und ihren Umsetzungsmöglichkeiten/Beispielmaterialien, welche Sie in der Unterrichtsvorbereitung und -durchführung nutzen können.

Veranstaltungszeitraum: 10:30 – 16:30 Uhr

D) Neue Experimente für den (Physik-)Unterricht – Physik (Prof. Dr. Heidrun Heinke, Dominik Dorsel, Simon Goertz und Jens Noritzsch)

An der RWTH Aachen wurde in verschiedenen Projekten der Einsatz von Experimenten im Unterricht thematisiert und gefördert. So ist durch die App phyphox (phyphox.org) eine Vielzahl an neuen Experimenten unter Nutzung von Smartphones und Tablets im naturwissenschaftlichen Unterricht entwickelt worden. Zudem ist 2019 mit der Plattform FLexKom (Fördern und Lernen experimenteller Kompetenzen, siehe auch www.sciphylab.de/flexkom) ein Projekt gestartet worden, das die Förderung vielfältiger methodischer Kompetenzen beim Experimentieren in den Vordergrund stellt.

Mit den Projekten werden Lehrkräften diverse Arbeitsmaterialien bereitgestellt, die flexibel im Lehr-Lern-Prozess eingesetzt werden können.

In der Working-Session sollen nach einer kurzen allgemeinen Einführung in die verschiedenen Angebote in Workshops unterschiedliche Themen gemeinsam bearbeitet werden. Ein Workshop (W1) beschäftigt sich mit der Entwicklung und dem Einsatz von Experimentieraufbauten aus Pappe bzw. Alltagsmaterialien, die den Einsatz von Experimenten mit phyphox erleichtern sollen. Im zweiten Workshop (W2) wird über die Ausgestaltung einer Online-Plattform für Unterrichtsmaterialien zu Experimenten diskutiert: Was soll eine solche Plattform für einen praxistauglichen Einsatz leisten? Wie sollen die Materialien aufgebaut sein? Was sollten Unterrichtsmaterialien umfassen?

Wir freuen uns auf Lehrkräfte, die sich mit ihren Erfahrungen und Ideen einbringen möchten.

Veranstaltungszeitraum: 10:30 – 13:30 Uhr (optional 16:00 Uhr)

E) Aha-Erlebnisse in herausfordernden Lernsituationen. Ein Tagesprojekt zur Bildung für nachhaltige Entwicklung. – Bildung für nachhaltige Entwicklung (Dr. Selma Haupt, Laura Wever)

Schüler:innen wollen sich und die Welt verstehen, dazu brauchen sie einen „roten Faden von Urheberschaft und Resonanz“. Bedient man sich phänomenologischer und hermeneutischer Perspektiven des Lernens, die Lernen als Erfahrung verstehen und in lebensweltliche, leibliche und soziale Züge betten sowie dem Gedanken, dass Lernen auch Zutrauen im Sinne von Anerkennung als untrennbarer Zusammenhang von Bestätigung und Stiftung (Düttmann, 1997), möchten wir in einer „Working Session“ ein Tagesprojekt zum Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ gestalten. Die Kinder dürfen hier eigenen, die nachhaltige Entwicklung betreffenden, Fragen nachgehen und das BNE-Konzept in praktischer und selbstständiger Weise erfahren und umsetzen.

Die Erfahrungen – oder: Widerfahrnisse, die hier gemacht werden bergen das Potential erlebter „Enttäuschungen, Irritationen und Überraschungen“ (Rödel, 2015), die die Lernenden dazu anhalten, sich mit der ihnen umgebenden Welt auseinanderzusetzen und die als produktives Moment des Lernens identifiziert werden können.

Ausgehend von diesen grundlegenden bildungswissenschaftlichen Überlegungen und dem BNE-Programm soll in reflexivem Austausch darüber ein Tagesprojekt konzipiert werden, in dem die Schüler:innen im Sinne der Agenda 21 „global denken, lokal handeln“ an herausfordernden Situationen lernen können.

Veranstaltungszeitraum: 10:30 – 13:30 Uhr

F) Mitgefühl in Christentum und Buddhismus und dessen Bedeutung für Schule und Unterricht. – Religion (Prof. Dr. Guido Meyer, PD Dr. Annette Meuthrath)

In den letzten zehn Jahren hat die wissenschaftliche Forschung zum Thema „Mitgefühl“ und „Selbstmitgefühl“ bzw. „Selbstfürsorge“ enorm zugenommen. Eng verwandte Themen sind Emotionen, Gesundheit, Achtsamkeit, emotionale Intelligenz, Resilienz, persönliche Verantwortung usw. Dabei hat die Forschung z.B. ergeben, dass Mitgefühl sich positiv auf Gesundheit, Beziehungen, Arbeitsplatz auswirkt. So gibt es keinen Zweifel mehr daran, dass Mitgefühl nicht nur eine positive Auswirkung auf das einzelne Individuum hat, sondern auch gesellschaftliche Relevanz besitzt. Mitgefühls-Training wird mittlerweile nicht nur im Privat- sondern auch im Wirtschaftssektor angeboten.

Auch in vielen Religionen wird Mitgefühl ein hoher Stellenwert beigemessen, um zu einem geglückten Miteinander zu kommen. Hier sollen die Lehren und Konzepte, aber auch Praktiken, von Mitgefühl im Christentum und Buddhismus angeschaut werden, um Unterrichtsmaterialen und Unterrichtskonzepte zusammenzustellen bzw. zu entwickeln.

Im Buddhismus geht man seit Jahrtausenden davon aus, dass sich Mitgefühl trainieren und damit steigern lässt. Mitgefühl gehört zu den Grundtugenden, die es zu verwirklichen gilt, wenn man sich spirituell entwickeln und heilsam für andere Wesen wirken möchte. Dabei gilt es, Mitgefühl für alle lebenden Wesen zu entwickeln, unabhängig davon, wer diese sind und ob sie selbst positiv wirken.

Wie dem (fremden) Anderen begegnen ist nicht nur eine vordringliche gesellschaftliche Herausforderung, sondern eine bildungstheoretische Grundfrage, zu der die christliche Tradition einen elementaren Beitrag leisten kann.

Das Seminar sucht nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den beiden Traditionen und zeigt an konkreten Beispielen die Bedeutsamkeit von religiösen Bildungsschätzen für die heutige Zeit auf.

Dieses Angebot kann aufgrund des Infektionsschutzes nicht wie geplant stattfinden und muss daher leider entfallen.

G) Learning by Video. Erklärvideos im Unterricht. – Fächerübergreifend (Dr. Meike Penkwitt, Deborah Hennig)

Erklärvideos werden von Schüler:innen schon seit längerem eigenständig genutzt, um sich durch Tutorials unterschiedliche Themen zeigen und erklären zu lassen (insbesondere über das Videoportal YouTube), zunehmend werden sie auch von Lehrer:innen im Unterricht eingesetzt. Inhaltlich sind dabei sehr unterschiedliche Komplexitätsstufen vertreten. Das Spektrum reicht von mathematischen Problemstellungen und biologischen Prozessen über historische, politische oder auch soziologische Themen bis hin zu How-To-Videos, so z.B. zur Umsetzung von Kochrezepten oder auch (ganz aktuell) zum hygienisch-korrekten Händewaschen.

Genutzt werden die Videos – seitens der Schüler:innen - nicht nur im Freizeitbereich, sondern gerade auch für den schulischen Kontext, bspw. als Unterstützung bei der Bearbeitung von Hausaufgaben oder auch der Vorbereitung auf Klausuren, Tests und Prüfungen.

Durch die Einbindung von Erklärvideos in den Unterricht seitens der Lehrkräfte werden sowohl Kenntnisse und Fertigkeiten als auch Medienkompetenzen der Schüler:innen geschult. Darüber hinaus lassen sich Erklärvideos als ansprechender Einstieg in fast jedes Thema einsetzen.

Im Workshop werden unterschiedliche Formate von Erklär-/Lernvideos und deren Nutzungsmöglichkeiten im Unterricht vorgestellt (theoretische Input-Phase). Darüber hinaus bietet der Workshop die Möglichkeit selbst ein kurzes Erklärvideo in Gruppen zu gestalten und so erste Erfahrungen in der Selbstproduktion zu sammeln (praktische Phase).

Veranstaltungszeitraum: 13:00 16:00 Uhr

H) Mathematische Zusatzangebote für die Mittelstufe – Bedarfe, Bestehendes und Perspektiven. – Mathematik (Stefan Pohlkamp, Marvin Titz)

Der Wunsch nach mathematische Zusatzangebote für die Mittelstufe wird von Lehrkräften, Eltern und Schüler:innen oft geäußert. Während vielfältige Angebote für Unter- und Oberstufenschüler:innen erfolgreich existieren, scheinen Best-Practice-Beispiele für die Mittelstufe aus der Region weniger bekannt zu sein. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir über Ziele, Inhalte und Formate möglicher Zusatzangebote nachdenken.

Zunächst werden bestehende (außer)unterrichtliche Konzepte vorgestellt, um gemeinsame Anknüpfungspunkte zu finden bzw. um über einen altersgemäßen Transfer nachzudenken. Bezüglich der Zusatzangebote sollen verschieden Zwecke – Begabungsförderung, MINT für Mädchen, Berufsvorbereitung … – und unterschiedliche Formate – AG, Projektwoche, Besuche an der Uni, … – diskutiert werden.

Im Anschluss können sich die Teilnehmer:innen mit konkrete Material auseinandersetzen und dieses mit ihren Interessen und Bedarfen abzugleichen. Im Austausch mit den anderen Teilnehmer:innen können nach der Mittagspause Synergien und Ressourcen überprüft werden, ob und wie gemeinsame Projekte initiiert werden können.

Alle Teilnehmenden der Working Session erhalten einen Überblick über geeignetes Material für mathematische Zusatzangebote in der Mittelstufe und bekommen eine Vielzahl an Unterlagen im Sinne kollegialen voneinander Lernens zu Verfügung gestellt.

Veranstaltungszeitraum: 10:30 – 15:30 Uhr

I) Naturwissenschaftliche Erkenntnisgewinnung im Biologieunterricht auf Distanz – Materialien für die Sekundarstufe I und II (Prof.-Vertr. Dr. Ingeborg Heil, Isabell Helbing, Kilian Klinkenberg)

Für den Biologieunterricht stehen mittlerweile zahlreiche digitale Tools wie z.B. Apps oder Videos aus unterschiedlichen Quellen zur Verfügung. Oftmals fehlen jedoch konkrete Aufgabenstellungen, die eine Steuerung des Lernprozesses durch die Materialien erlauben. Gerade im Distanzunterricht ist dies von besonderer Bedeutung, damit Schülerinnen und Schüler selbstständig arbeiten können.

Im Workshop stellen wir Ihnen zunächst exemplarische Unterrichtsmodule vor, die solche Tools einbeziehen und Schülerinnen und Schüler bei der erkenntnisorientierten Erkundung von biologischen Objekten und Phänomenen unterstützen. Anhand dieser Beispiele möchten wir mit Ihnen diskutieren, welche Möglichkeiten der materialen Steuerung sich eignen, um Schülerinnen und Schülern im Fachunterricht, auch auf Distanz, einen systematischen Zugang zur naturwissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung zu bieten.

Auf dieser Basis entwickeln wir gemeinsam neue Materialien zu lehrplanrelevanten Inhalten (z. B. Neurobiologie, Enzymatik, Ökologie ...), die vorhandene digitale Elemente und gute Aufgaben miteinander kombinieren und somit den unmittelbaren Einsatz in der Praxis erlauben. Die Materialien sollen entweder den gesamten naturwissenschaftlichen Erkenntnisweg oder einzelne Teilschritte in den Blick nehmen (z. B. Erstellung eines Protokolls zu einem Versuchsvideo, Nutzung von Apps zum Messen und Auswerten).

Veranstaltungszeitraum: 10:30 – 16:00 Uhr