Aachener Schul-Hochschul-Fachtag 2022

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Am Donnerstag, 6. Januar 2022, fand der zweite Aachener Schul-Hochschul-Fachtag online über Zoom statt. Die Organisation erfolgte durch das Lehr- und Forschungsgebiet Didaktik der Mathematik mit Unterstützung des Lehrerbildungszentrums.

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Phil Merkschien

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Noch in den Schulferien haben ca. 40 engagierte Hochschuldozierende, Lehrkräfte sowie Studierende am zweiten Aachener Schul-Hochschul-Fachtag teilgenommen. Dabei hatte das pandemiegeschuldete Onlineformat den Vorteil, dass erneut zahlreiche Gäste zum Beispiel auch aus Berlin, Wien und Belgien mitwirken konnten. Die Teilnehmenden haben sich in vier mehrstündigen Working Sessions zu je einem unterrichtsrelevanten Gegenstand der Fächer Deutsch, Mathematik sowie dem fächerübergreifendem Thema Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgetauscht. Dabei wurden konkrete Unterrichtsmaterialen und außerunterrichtliche Schulprojekte vorgestellt, erprobt, diskutiert und weiterentwickelt.

Alle Teilnehmenden haben vom Friedrich Verlag eine eigens erstellte Leseprobe der Fachzeitschrift „Klasse leiten“ erhalten.

 

Programm

A) Grammatikunterricht in inklusiven Lerngruppen (Dr. Katharina Böhnert, Dr. Matthias Hölzner)

Ein konstitutives Merkmal inklusiver Lerngruppen besteht darin, dass sie Schülerinnen und Schüler unterschiedlichster Lern- und Entwicklungsstände in sich vereinen. Demgegenüber fühlen sich die Lehrerinnen und Lehrer, eine der wesentlichen Gruppen von Akteurinnen und Akteuren im inklusiven Schulalltag, gerade mit der Aufgabe, gemeinsame Lernprozesse innerhalb der heterogenen Schülerschaft zu initiieren, von der Bildungspolitik wie auch der Wissenschaft alleingelassen.

In unserer Working Session sollen Planungsschritte zur Konzeptionierung einer inklusiven Unterrichtssequenz in den Blick genommen und dabei auf der Grundlage der von Feuser (1995) vorgeschlagenen Analyseebenen (Tätigkeitsstrukturanalyse, Handlungsstrukturanalyse, Sachstrukturanalyse) die Arbeit an einem gemeinsamen Unterrichtsgegenstand aus dem Kompetenzbereich „Reflexion über Sprache“ für die Sekundarstufe I exemplarisch angebahnt werden. Unser Verständnis von ‚inklusiven Lehr-Lern-Gruppen‘ orientiert sich hierbei an einem weiten Inklusionsbegriff. In der konkreten Lerngruppe, in der die entwickelten Unterrichtskonzepte erprobt wurden, lernen sechs Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen sonderpädagogischen Förderschwerpunkten (‚Lernen‘, ‚Sprache‘, ‚emotional-soziale Entwicklung‘) gemeinsam mit rund zwanzig Schülerinnen und Schülern ohne Förderschwerpunkt. Spezifische Bedürfnisse einzelner Schüler/-innen, wie sie u.a. aus sonderpädagogischen Förderbedarfen resultieren können, sind zwar Thema der Working Session. Ziel ist es jedoch, eine differenzierte grammatische Förderung zu ermöglichen, durch die alle Lernenden ihren Fähig- und Fertigkeiten sowie ihren Neigungen und Interessen entsprechend gefördert werden können. Die Unterrichtsplanung ergänzend sollen in der Working Session Videographien tatsächlich durchgeführter Unterrichtsstunden analysiert und so das Nachdenken über inklusiven Grammatikunterricht weiter vertieft werden.

Veranstaltungszeitraum: 12:00 – 14:30 Uhr

B) Algebraische Strukturen: Ein Lehrgang für Projektkurse (bspw. iMPACt) an der Schnittstelle Schule-Hochschule (Julia Kujat)

Mathematik aus der Vogelperspektive zu betrachten, bedeutet, sich ihrer Architektur gewahr zu werden: Obwohl die Mathematik aus vielen verschiedenen Einzeldisziplinen besteht, lässt sich ihr Fundament auf einige wenige Grundstrukturen reduzieren. In der universitären Mathematik begegnen Studienanfänger*innen gleich zu Beginn vieler MINT-Studiengänge wichtigen Algebraischen Strukturen wie Gruppe, Ring und Körper. Das stellt eine große Herausforderung dar, weil Schulmathematik nur selten eine Perspektive auf die strukturelle Seite der Mathematik bietet. Dabei hat das Themenfeld viele faszinierende Anknüpfungspunkte quer durch die Jahrgangsstufen: Rechengesetze, Erweiterung der Zahlbereiche, Lösen von Gleichungen, Vektorräume u.v.m. Eine Beschäftigung mit Algebraischen Strukturen auf abstrakter Ebene kann zudem das Verständnis von und die Reflexion über Mathematik wesentlich erweitern, mathematische Begabungen fördern oder erst offenlegen.

iMPACt als Schul-Hochschul-Kooperation bietet eine Brücke zwischen der Schul- und Hochschulmathematik an. Aufbauend auf dem Erfolg und den Ergebnissen der vorjährigen Working Session wird ein Lehrgang Algebraische Strukturen für ein wissenschaftspropädeutisches Arbeiten in der Sekundarstufe II (bspw. iMPACt-Projektkurse) präsentiert. Den Schwerpunkt des Lehrgangs bilden aufbauend auf dem Verknüpfungsbegriff die Gruppen, welche zunächst über die aus der Schule bekannten Zahlbereiche erlebbar gemacht werden. Die Nicht-Abgeschlossenheit von Verknüpfungen regt Kreativität an und führt zu weiteren mathematischen Konstruktionen wie den ganzen Zahlen. Über Symmetrien von ebenen Figuren, Restklassenarithmetik und vielen anderen Verknüpfungsgebilden werden das Verständnis von Gruppen vertieft, sowie anschließend weitere Algebraische Strukturen wie Ring, Körper und Vektorraum eingeführt.

Ziel der Working Session ist es mit Lehrkräften kooperierender Schulen die entwickelten Materialien zu Algebraische Strukturen zu evaluieren und im Hinblick auf Einsetzbarkeit zu prüfen. Andere interessierte Lehrer*innen und Studierende sind ebenso herzlich eingeladen.

Veranstaltungszeitraum: 10:30 – 14:30 Uhr

C) Entdeckendes Lernen mit digitalen Werkzeugen – Mit OER Chancen nutzen und Kooperationen aufbauen (Dr. Stefan Pohlkamp, David Stadler)

Entdeckendes Lernen ist ein zentraler Ansatz im Mathematikunterricht (Winter 1989). Zugleich ist digitalen Werkzeugen das Potenzial zu neuen Dynamiken und Visualisierungen inhärent. Was bedeutet entdeckendes Lernen in digitalen Kontexten? Im ersten Teil der Working Session werden exemplarische Lernumgebungen zu verschiedenen Jahrgangstufen vorgestellt. Dabei steht im Vordergrund, wie Charakteristika der Digitalität und didaktische Intentionen des Entdeckenden Lernens ineinandergreifen und sich nutzen lassen.

Im zweiten Teil soll die Entwicklung, die Bewertung und die Verwendung von Lernmaterialien diskutiert werden, die das Potential von entdeckendem Lernen mit digitalen Werkzeugen aufgreifen. Gerade Open Educational Ressources (OER) bieten hier neue Möglichkeiten der Kooperation unter Lehrkräften, aber auch mit verschiedenen anderen Bildungsakteuren.

Veranstaltungszeitraum: 10:30 – 13:30 Uhr

D) Einblick in einen Online-Workshop vom InfoSphere-Schülerlabor Informatik (Annabell Brocker)

--- Nicht stattgefunden ---

Das InfoSphere – Schülerlabor Informatik bietet verschiedene Workshops rund um das Thema Informatik für Schülerinnen und Schüler ab der 3. Klasse an. Mittlerweile besteht das Angebot aus Präsenz-Workshops, Online-Workshops sowie Selbstlernangeboten. Online-Workshops bringen nicht nur Herausforderungen mit sich, sondern bieten auch ganz neue Möglichkeiten wie bspw., dass Schülerinnen und Schüler deutschlandweit an unseren Workshops teilnehmen können. Am Aachener Schul-Hochschul-Fachtag 2022 möchten wir Ihnen die Möglichkeit bieten, einen unserer Online-Workshops (https://schuelerlabor.informatik.rwth-aachen.de/module/jagd-nach-diamanten-online) auszuprobieren und kennenzulernen, welcher für die Unter- und Mittelstufe entwickelt worden ist. Anschließend soll gemeinsam darüber diskutiert werden, welche Problematiken und welche Potentiale Sie in solchen Formaten sehen und was Ihre bisherigen Erfahrungen mit dieser Art von Veranstaltungen sind.

Veranstaltungszeitraum: 10:30 – 13:30 Uhr

E) Aha-Erlebnisse in herausfordernden Lernsituationen. Ein Tagesprojekt zur Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) (Dr. Selma Haupt, Laura Wever)

Schüler*innen wollen sich und die Welt verstehen, dazu brauchen sie einen „roten Faden von Urheberschaft und Resonanz“. Bedient man sich phänomenologischer und hermeneutischer Perspektiven des Lernens, die Lernen als Erfahrung verstehen und in lebensweltliche, leibliche und soziale Züge betten sowie dem Gedanken, dass Lernen auch Zutrauen im Sinne von Anerkennung als untrennbarer Zusammenhang von Bestätigung und Stiftung (Düttmann, 1997), möchten wir in einer „Working Session“ ein Tagesprojekt zum Thema „Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)“ gestalten. Die Kinder dürfen hier eigenen, die nachhaltige Entwicklung betreffenden, Fragen nachgehen und das BNE-Konzept in praktischer und selbstständiger Weise erfahren und umsetzen.
Die Erfahrungen – oder: Widerfahrnisse, die hier gemacht werden bergen das Potential erlebter „Enttäuschungen, Irritationen und Überraschungen“ (Rödel, 2015), die die Lernenden dazu anhalten, sich mit der ihnen umgebenden Welt auseinanderzusetzen und die als produktives Moment des Lernens identifiziert werden können.
Ausgehend von diesen grundlegenden bildungswissenschaftlichen Überlegungen und dem BNE-Programm soll in reflexivem Austausch darüber ein Tagesprojekt konzipiert werden, in dem die Schüler*innen im Sinne der Agenda 21 „global denken, lokal handeln“ an herausfordernden Situationen lernen können.    

Veranstaltungszeitraum: 10:30 – 14:00 Uhr

F) Erklärvideos: learning by video (Dr. Meike Penkwitt, Deborah Hennig)

--- Nicht stattgefunden ---

Erklärvideos werden von Schüler*innen schon seit längerem eigenständig genutzt, um sich durch Tutorials unterschiedliche Themen zeigen und erklären zu lassen (insbesondere über das Videoportal YouTube), zunehmend werden sie auch von Lehrer*innen im Unterricht eingesetzt. Inhaltlich sind dabei sehr unterschiedliche Komplexitätsstufen vertreten. Das Spektrum reicht von mathematischen Problemstellungen und biologischen Prozessen über historische, politische oder auch soziologische Themen bis hin zu How-To-Videos, so z.B. zur Umsetzung von Kochrezepten oder auch (ganz aktuell) zum hygienisch-korrekten Händewaschen. Genutzt werden solche Videos gerade auch für den schulischen Kontext, bspw. als Unterstützung bei der Bearbeitung von Hausaufgaben oder auch der Vorbereitung auf Klausuren, Tests und Prüfungen.

Durch die Einbindung von Erklärvideos in den Unterricht seitens der Lehrkräfte werden sowohl Kenntnisse und Fertigkeiten als auch Medienkompetenzen der Schüler*innen geschult. Darüber hinaus lassen sich Erklärvideos als ansprechender Einstieg in fast jedes Thema einsetzen.

In der Working Session werden unterschiedliche Formate von Erklär-/Lernvideos und deren Nutzungsmöglichkeiten im Unterricht vorgestellt (theoretische Input-Phase). Darüber hinaus bietet die Working Session die Möglichkeit selbst ein kurzes Erklärvideo in Gruppen/einzeln zu gestalten und so erste Erfahrungen in der Selbstproduktion zu sammeln (praktische Phase).

Veranstaltungszeitraum: 11:00 – 14:30 Uhr

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